Neurologische Physiotherapie


Individuell angepasstes Training für Bewegung, Gleichgewicht und Selbstständigkeit

Die neurologische Physiotherapie richtet sich an Menschen mit Erkrankungen oder Schädigungen des zentralen oder peripheren Nervensystems. Je nach Erkrankung können Beweglichkeit, Muskelkraft, Gleichgewicht, Koordination, Sensibilität oder die selbstständige Durchführung alltäglicher Aktivitäten beeinträchtigt sein.

Art und Ausmaß der Einschränkungen können sehr unterschiedlich sein. Die Behandlung wird deshalb individuell an Ihre vorhandenen Fähigkeiten, Ihre Beschwerden, Ihre körperliche Belastbarkeit und Ihre persönlichen Ziele angepasst.

Im Mittelpunkt steht nicht eine einzelne Behandlungsmethode. Entscheidend ist, welche Maßnahmen Ihnen helfen können, wichtige Bewegungen gezielt zu trainieren und Ihre Mobilität sowie Selbstständigkeit im Alltag bestmöglich zu erhalten oder weiterzuentwickeln.

Rollstuhl als mögliches Hilfsmittel in der neurologischen Rehabilitation

Funktionell und zielgerichtet behandeln

Ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Physiotherapie ist das wiederholte Üben von Bewegungen und Aktivitäten, die für Ihren persönlichen Alltag relevant sind.

Abhängig von Ihrer Ausgangssituation können beispielsweise das Aufstehen von einem Stuhl, sicheres Stehen, Gehen, Treppensteigen, Greifen oder der gezielte Einsatz eines betroffenen Armes trainiert werden.

Durch regelmäßiges und ausreichend häufiges Üben können vorhandene Fähigkeiten gefördert und Bewegungsstrategien verbessert werden.

Die Schwierigkeit der Übungen wird schrittweise an Ihren aktuellen Leistungsstand, Ihre Belastbarkeit und Ihre Entwicklung angepasst.

Fähigkeiten fördern

Vorhandene Bewegungsfähigkeiten werden gezielt genutzt, wiederholt trainiert und entsprechend Ihrer Möglichkeiten weiterentwickelt.

Alltag trainieren

Die Therapie orientiert sich an Bewegungen und Aufgaben, die für Ihre Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag wichtig sind.

Belastung anpassen

Intensität, Dauer und Schwierigkeit der Übungen werden an Ihre Erkrankung, mögliche Ermüdung und Ihre aktuelle Belastbarkeit angepasst.

Physiotherapeutische Untersuchung

Zu Beginn werden Ihre aktuellen Fähigkeiten und funktionellen Einschränkungen beurteilt. Welche Bereiche untersucht werden, richtet sich nach Ihrem Beschwerdebild und Ihren persönlichen Zielen.

Bewegung und Muskelaktivität

  • Beweglichkeit
  • Muskelkraft
  • Muskelaktivierung
  • Muskelspannung
  • Sensibilität und Körperwahrnehmung

Funktion und Alltag

  • Gleichgewicht und Koordination
  • Aufstehen und Hinsetzen
  • Stehen und Gehen
  • Greifen und gezielte Armbewegungen
  • Ausdauer und körperliche Belastbarkeit
  • Einschränkungen bei alltäglichen Aktivitäten

Hilfsmittel und persönliche Lebenssituation

Bei der Planung werden auch vorhandene Hilfsmittel, das mögliche Sturzrisiko, Ihre Wohnsituation, Unterstützung durch Angehörige oder Betreuungspersonen sowie die Anforderungen Ihres persönlichen Alltags berücksichtigt.

Gleichgewicht und Gehen

Störungen des Gleichgewichts oder des Gangbildes können bei vielen neurologischen Erkrankungen auftreten.

Die Physiotherapie kann Übungen zur Verbesserung von Gleichgewicht, Gewichtsverlagerung, Schrittkontrolle, Koordination und Ausdauer beinhalten.

Je nach Befund können auch Transfers, Richtungswechsel, das Überwinden von Hindernissen oder sicheres Gehen unter unterschiedlichen Alltagsbedingungen trainiert werden.

Kraft und körperliche Belastbarkeit

Muskelschwäche und eine verminderte körperliche Belastbarkeit können direkt durch eine neurologische Erkrankung oder zusätzlich durch längere Inaktivität entstehen.

Individuell angepasstes Kraft- und Ausdauertraining kann deshalb ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Rehabilitation sein.

Die Belastung wird an Ihre Erkrankung, Ihre körperlichen Möglichkeiten, mögliche Ermüdung und Ihre persönlichen Ziele angepasst.

Mögliche physiotherapeutische Konzepte

Abhängig vom Befund können unterschiedliche neurologische Behandlungskonzepte und Trainingsformen miteinander kombiniert werden. Die Therapie wird nicht ausschließlich nach einer einzelnen Methode durchgeführt.

PNF

Bei der Propriozeptiven Neuromuskulären Fazilitation können Bewegungen durch gezielte taktile, propriozeptive und verbale Reize unterstützt werden.

Funktionelle Bewegungsmuster können eingesetzt werden, um Muskelaktivität, Koordination und Bewegungskontrolle zu trainieren.

Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept wird insbesondere bei Menschen mit Schädigungen des zentralen Nervensystems eingesetzt.

Elemente können zur Analyse von Bewegungen und zur Förderung funktioneller Aktivitäten im Alltag in die Behandlung integriert werden.

Spiegeltherapie

Bei der Spiegeltherapie wird die Bewegung der weniger betroffenen Körperseite visuell als Bewegung der betroffenen Seite wahrgenommen.

Sie kann beispielsweise nach einem Schlaganfall ergänzend in die Rehabilitation eines betroffenen Armes oder Beines eingebunden werden.

PNF, Bobath und Spiegeltherapie werden nicht nach einem starren Schema eingesetzt. Entscheidend sind Ihr individueller Befund, Ihre vorhandenen Fähigkeiten und das jeweilige Therapieziel.

Individuelle Schwerpunkte der Behandlung

Die konkreten Therapieinhalte richten sich nach der jeweiligen Erkrankung, den vorhandenen Einschränkungen und den für Sie besonders wichtigen Funktionen.

Nach einem Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall können unter anderem Muskelschwäche, veränderte Muskelspannung, Gleichgewichtsstörungen sowie Einschränkungen beim Gehen oder bei Arm- und Handbewegungen auftreten.

  • Aufstehen und Hinsetzen
  • Stehen und Gleichgewicht
  • Gehtraining
  • Krafttraining
  • Training von Arm und Hand
  • Funktionelle Alltagsaufgaben

Bei Morbus Parkinson

Bei Morbus Parkinson können Bewegungsverlangsamung, Gleichgewichtsstörungen, Veränderungen des Gangbildes und Schwierigkeiten bei alltäglichen Bewegungsabläufen auftreten.

  • Kraft und Beweglichkeit
  • Gleichgewichtsübungen
  • Gangtraining
  • Starten von Bewegungen
  • Größere Bewegungsamplituden
  • Richtungswechsel und Alltagstraining

Bei Multipler Sklerose

Bei Multipler Sklerose können Kraft, Gleichgewicht, Koordination, Gehfähigkeit und körperliche Ausdauer in unterschiedlichem Ausmaß beeinträchtigt sein.

  • Individuelles Krafttraining
  • Angepasstes Ausdauertraining
  • Gleichgewichtsübungen
  • Gangtraining
  • Funktionelle Übungen
  • Berücksichtigung von Fatigue

Selbstständigkeit im Alltag

Ein wesentliches Ziel der neurologischen Physiotherapie ist die Übertragung der geübten Bewegungen und Strategien in Ihren persönlichen Alltag.

Selbstständig aufstehen

Sicher gehen

Treppen bewältigen

Arm und Hand einsetzen

Geeignete Übungen können auch für zu Hause angeleitet werden. Wenn es sinnvoll ist, können Angehörige oder betreuende Personen in bestimmte Übungen oder Bewegungsabläufe einbezogen werden.

Individuelle Therapieziele

Neurologische Erkrankungen verlaufen sehr unterschiedlich. Deshalb gibt es kein einheitliches Trainingsprogramm, das für alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen geeignet ist.

Gemeinsam werden konkrete und realistische Ziele festgelegt. Diese können sich beispielsweise auf Mobilität, Gleichgewicht, Gehfähigkeit, Kraft, Selbstständigkeit oder eine bestimmte Alltagssituation beziehen.

Regelmäßig angepasst

Im Therapieverlauf wird regelmäßig überprüft, wie sich Ihre Bewegungsfähigkeiten und Ihre körperliche Belastbarkeit entwickeln.

Übungen können entsprechend Ihrer aktuellen Situation angepasst, erweitert oder vereinfacht werden. Auch neue Alltagsziele können in die weitere Planung aufgenommen werden.

Ihr individuelles Therapiekonzept

Neurologische Physiotherapie bedeutet für mich, vorhandene Fähigkeiten gezielt zu fördern und Übungen so auszuwählen, dass sie einen möglichst direkten Bezug zu Ihrem Alltag haben. Je nach Befund können funktionelles und aufgabenbezogenes Training, Kraft- und Gleichgewichtsübungen sowie Elemente aus PNF, Bobath und Spiegeltherapie miteinander kombiniert werden. Im Mittelpunkt stehen Ihre individuellen Möglichkeiten, Ihre persönlichen Ziele und eine möglichst aktive Teilnahme an der Therapie.

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